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Warum Sand kein Wasser hält — Bodenfeuchte im Vergleich

19.09.2026


Vier Bodentypen Norddeutschlands im direkten Vergleich: gemessen vom Satelliten (C3S RZSM, TU Wien), 1990–2024, dekadal (10-Tage-Werte).


Die vier Böden Norddeutschlands

Bodentyp Ort Mittlere Feuchte Was das heißt
Sand (Geest) Eschede-Unterlüß 0,218 m³/m³ wenig Speicher, schneller Durchfluss
Lehm (Börde) Hannover 0,284 m³/m³ guter Speicher, puffert Dürren
Ton (Marsch) Emden 0,279 m³/m³ schwer, dicht, hält Wasser fest
Torf (Hochmoor) Lengener Moor 0,281 m³/m³ organisch, fast 100 % Wasserhaltefähigkeit

0,218 m³/m³ bedeutet: 21,8 % des Bodenvolumens ist Wasser. Auf Sand ist das wenig — auf Torf wäre es Dürre. Die gleiche Zahl hat in verschiedenen Böden völlig verschiedene Bedeutung.

Die zwei Schwellen jedes Bodens

  Sand Lehm
Feldkapazität (max. nach Regen) ~25 % ~40 %
Welkepunkt (Pflanzen verdursten) ~5–8 % ~13 %

Sand speichert wenig, gibt aber leicht ab. Lehm speichert viel, hält fest. Der Welkepunkt ist die Grenze, ab der Pflanzen kein Wasser mehr ziehen können.

Die Dürre 2018 im Boden

Am 21.07.2018 fiel die Bodenfeuchte bei Eschede auf 0,183 m³/m³ — der tiefste Wert der ganzen Reihe. Der Sand war so trocken, dass die Wälder der Südheide massiv unter Trockenstress litten.

Kein Langzeittrend — aber ein Verlierer

Bodentyp Trend (m³/m³ pro Jahr)
Sand (Eschede) +0,0002 (stabil)
Lehm (Hannover) +0,0003 (stabil)
Ton (Marsch) +0,0022 (leicht nasser)
Torf (Lengener Moor) −0,0006 (der einzige Verlierer!)

Die Botschaft: Sand und Lehm puffern die Dürren und erholen sich — die Winter füllen sie wieder auf (siehe Grundwasser-Artikel). Nur der Torf verliert dauerhaft: entwässerte Hochmoore oxidieren, geben CO₂ frei und büßen ihre Speicherfähigkeit ein. Ein unterschätzter Klima-Verstärker.

Was das für die Bewässerung heißt

Sand braucht bei Dürre mehr und öfter Wasser (wenig Speicher), Lehm kommt mit weniger, dafür selteneren Gaben aus. Die Gesamtmenge pro Saison ist ähnlich — aber die Frequenz macht den Unterschied für den Betrieb. (Mehr dazu im Artikel „Bewässerung im Klimawandel”.)

Daten & Methode

  • Daten: C3S RZSM (Satelliten-Mikrowellenmessungen, TU Wien), 1990–2024, Variablen rzsm_1m (0–1 m Wurzelzone)
  • Skript: 04_bodenfeuchte_bodenarten/bodenarten_vergleich.py
  • Grafik: bodenarten_vergleich.png (Dekadenwerte + Jahresmittel, Dürrejahre markiert)