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Methan — das unterschätzte Treibhausgas

19.09.2026


Methan über Norddeutschland, gemessen vom Satelliten (C3S XCH4, merged obs4mips v5.1), 2003–2024.


Die Messung

Der Satellit misst die Methan-Konzentration der gesamten Luftsäule (XCH4). Über Norddeutschland (48–55°N, 5–15°O, gewichtetes Gebietsmittel):

Jahr Methan (ppb)
2003 1750
2006 1741 (Stagnation!)
2015 1808
2020 1853
2024 1902

Anstieg: 1741 → 1902 ppb = +7,2 ppb pro Jahr.

Die zwei Phasen

  1. Stagnation 2003–2006: Die Methan-Konzentration blieb jahrelang konstant — viele hofften auf ein dauerhaftes Plateau.
  2. Wiederanstieg ab 2007: Die Quellen wachsen wieder — tropische Feuchtgebiete, Viehhaltung, Öl-/Gas-Leckagen, Deponien. Methan ist ein „sprunghaftes” Gas mit vielen, schwer kontrollierbaren Quellen.

Warum Methan so wichtig ist

Methan ist mengenmäßig winzig (1900 ppb ≈ 1,9 ppm) — 0,45 % der CO₂-Konzentration. Aber es wirkt 28-mal stärker pro Molekül (Global Warming Potential, IPCC):

CO₂-Äquivalent = 1900 ppb × 28 / 1000 = 53 ppm CO₂e

Das heißt: Methan trägt so viel zum Treibhauseffekt bei wie 53 ppm CO₂ — das sind 12,5 % des CO₂-Beitrags, obwohl es mengenmäßig fast nichts ist. Die kleine Menge macht die große Wirkung.

Die gute Nachricht

Methan bleibt nur ~10 Jahre in der Atmosphäre (CO₂: Jahrhunderte). Deshalb ist eine Methan-Reduktion der schnellste Hebel gegen die Erwärmung: Leckagen stoppen, Deponien abdichten, Viehhaltung umstellen — und in einem Jahrzehnt wäre die Wirkung messbar. CO₂ ist das Dauerfeuer, Methan das Feuerzeug.

Mehr dazu

Der direkte Vergleich CO₂ ↔ Methan (Korrelation, Wachstumsraten, Scheinkorrelation) steht im Artikel „CO₂ und Methan — Zwei Treibhausgase, zwei Geschichten”.

Daten & Methode

  • Daten: C3S L3 XCH4, merged obs4mips v5.1 (Universität Bremen), 2003–2024, monatlich, 2°-Gitter; gewichtetes Gebietsmittel (nobs, Land-Zellen)
  • Skript: 07_methan_treibhausgase/xch4_zeitreihe.py
  • Grafik: xch4_zeitreihe.png (Tages- + Jahresmittel, mit Stagnations-Phase 2003–2006)