Trocknet Norddeutschland aus? — Die Dürre-Zahlen (1990–2026)
19.09.2026
Zusammenfassung der Analyse aus Ordner 01_spei48_duerreindex — für
Nicht-Wissenschaftler erklärt. Alle Zahlen stammen aus öffentlichen Daten des
Copernicus Climate Data Store (CDS, ERA5-Reanalyse).
Was ist der SPEI überhaupt?
Der SPEI (Standardized Precipitation-Evapotranspiration Index, auf Deutsch etwa „Standardisierter Niederschlags-Verdunstungs-Index”) ist eine Zahl, die ausdrückt, wie trocken oder nass ein Gebiet ist. In die Berechnung fließen ein:
- wie viel Niederschlag gefallen ist, und
- wie viel Wasser die Luft wieder verdunsten lässt (das hängt stark von der Temperatur ab — je heißer, desto mehr Wasser wird der Erde entzogen)
Der SPEI beantwortet also: „Bekommt die Region genug Wasser oder verliert sie es?” — und zwar statistisch bereinigt, damit man verschiedene Regionen miteinander vergleichen kann.
So liest man die Werte:
| SPEI-Wert | Bedeutung |
|---|---|
| größer als +1 | deutlich zu nass |
| zwischen -1 und +1 | normal |
| kleiner als -1 | trocken (Dürre) |
| kleiner als -1,5 | schwere Dürre |
| kleiner als -2 | extreme Dürre |
Warum gibt es vier verschiedene SPEI-Varianten?
Wir haben vier Varianten ausgewertet: SPEI1, SPEI3, SPEI6 und SPEI48. Die Zahl gibt an, über wie viele Monate die Wasserbilanz aufsummiert wird — wie ein Fenster, das den Wasserhaushalt unterschiedlich lange betrachtet:
| Skala | Fenster | Was sie zeigt |
|---|---|---|
| SPEI1 | 1 Monat | einzelne Monate — sehr wechselhaft („Wetter”) |
| SPEI3 | 3 Monate | eine Jahreszeit (z. B. Sommer-Dürre) |
| SPEI6 | 6 Monate | ein halbes Jahr |
| SPEI48 | 48 Monate = 4 Jahre | die langfristige Wasserbilanz — wie das Klima wirklich steht |
Der entscheidende Punkt: Ein einzelner verregneter Monat (SPEI1 = nass) sagt nichts über den langfristigen Trend aus. Erst der 4-Jahres-Blick zeigt, ob eine Region nachhaltig Wasser verliert — oder nicht.
Die Ergebnisse: Was sagen die Zahlen?
Ausgewertet wurden 102 Gitterzellen (0,25° × 0,25°, ca. 25 × 25 km) im Raum Nordniedersachsen (Breite 52,5–53,75°N, Länge 7,25–11,25°O), Monatswerte von 1990 bis 2026.
Trend pro Jahr (Median über alle Zellen):
| Skala | Trend (SPEI/Jahr) | Zellen mit signifikantem Trocken-Trend |
|---|---|---|
| SPEI1 | −0,004 | 0 |
| SPEI3 | −0,008 | 0 |
| SPEI6 | −0,012 | 0 |
| SPEI48 | −0,049 | 67 von 102 |
„Signifikant” heißt: Der Trend ist mit hoher Wahrscheinlichkeit (95 %) kein Zufall, sondern eine echte Entwicklung.
Was bedeutet ein Trend von −0,049 pro Jahr? Über 36 Jahre summiert sich das zu rund −1,8 SPEI-Einheiten — das ist der Unterschied zwischen „normal” und „schwerer Dürre”. Über das ganze Gebiet betrachtet hat sich die Wasserbilanz seit 1990 also um fast zwei Dürrestufen verschlechtert.
Wo trocknet es am stärksten?
Die interaktive Karte zeigt jede Zelle als farbiges Viereck:
- rot = langfristig austrocknend
- blau = langfristig nasser werdend
- schwarzer Rahmen = Trend statistisch gesichert
Die Verteilung:
- 68 von 102 Zellen trocknen signifikant aus — nur 1 Zelle wird signifikant nasser (an der Nordseeküste bei 53,75°N/7,25°O, vermutlich Ostfriesland).
- Die stärkste Austrocknung liegt im Südosten des Gebiets (Raum Celle–Hildesheim–Braunschweig): dort bis zu −0,071 SPEI/Jahr — rund 40 % schneller als der Gebiets-Durchschnitt.
- Die Küstenregionen trocknen deutlich langsamer aus (nur ein kleiner Teil erreicht Signifikanz) — Meereskühlung, kühlere Sommerluft und häufigerer Seewind bremsen die Verdunstung. Die Küste hat also tatsächlich „Glück”.
Karte: Dürreindex-Trend (SPEI48)
Die Karte liegt als interaktive HTML-Datei im Ordner 01_spei48_duerreindex/.
Achtung die Rekordhitze von 2026 ist noch nicht drin, weil das Jahr noch nicht zu Ende ist (Stand September 2026)
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Der Vergleich der vier Skalen ist als Grafik abgelegt:

Oben rauschen die kurzen Skalen (1/3/6 Monate) stark — dort ist kein Trend nachweisbar. Unten bleibt SPEI48 (4 Jahre) in der Trockenheitszone: der langfristige Trend ist klar.
Warum ist das wichtig für euch?
- „Es regnet doch ständig!” — Wer mit einzelnen nassen Monaten argumentiert, liegt falsch: Die Kurzzeit-Skalen (SPEI1/3/6) zeigen keinen signifikanten Trend. Aber der Blick auf 4 Jahre zeigt: Das Wasser geht uns langfristig aus. Regen reicht nicht mehr, um die Verdunstung auszugleichen.
- Grundwasser braucht Zeit: Eine schleichende Verschlechterung der Wasserbilanz über Jahrzehnte bedeutet sinkende Grundwasserspiegel, trockene Böden und mehr Stress für Wälder und Landwirtschaft — auch wenn einzelne Sommer nass sind.
- Küste ist nicht überall: Die Küste profitiert vom Meeresklima, das Binnenland (Südosten) verliert am schnellsten Wasser.
Methode & Quellen (für Interessierte)
- Daten: Copernicus CDS — „ERA5 drought indices” (SPEI, GenLogistic, Referenzperiode 1991–2020), Monatswerte 1990-01 bis 2026-06, Gebiet Nordniedersachsen.
- Trendtest: Theil-Sen-Schätzer (robuste Steigung) + Mann-Kendall-Test (Signifikanz) pro Gitterzelle auf Jahresmitteln.
- Skripte (Ordner
01_spei48_duerreindex/):load_spei.py— lädt alle vier Skalen aus den NetCDF-Dateienspei_skalen_vergleich.py— Trends + Vergleichsgrafikspei48_trendkarte.py— interaktive Karte (folium)